Sehnlichst erwartetes Gebet!

 

Reinhild Bohlmann, eine unserer Referentinnen (Heilende Hände - Möglichkeiten und Grenzen in der Hebammenarbeit), berichtet aus ihrer Praxis als freiberufliche Hebamme. Sie ist für ihre Patientinnen als Christin erkennbar und erlebt, dass diese auf ihr Gebet warten:


"Ria ist letzte Woche 40 Jahre geworden. Ich kenne sie gut, habe ich sie doch bei den Hausgeburten ihrer vier Kinder begleitet. So ist es in schwierigen Zeiten selbstverständlich, dass der Kontakt bleibt. Sie hatte angerufen, nur um Bescheid zu sagen, dass sie nach ihrer Brustoperation nun Metastasen im Bauchraum hat. Morgen geht sie wieder ins Krankenhaus, wieder OP, wieder Chemo, sie hat Angst und ruft an. Meine Hausbesuche lege ich so, dass ich bei ihr einen Besuch machen kann, wenn alle Kinder in der Schule und im Kindergarten sind.

Wir reden, dann nehme ich mein Ölfläschchen und frage sie, ob ich sie salben und für sie beten darf. "Ja, nur deshalb habe ich dich gerufen!" Später nimmt sie mein Fläschchen, steckt es ein und bedankt sich. "Ich stelle es dir jetzt immer hin wenn du zu mir kommst. Dann weißt du gleich was ich mir wünsche!" 

Immer häufiger brauche ich inzwischen eine neues Fläschchen, entweder ich lasse es stehen, so wie bei Ria oder ich verschenke es an andere aus unserer Gemeinde mit der Ermunterung, es bei sich zu haben und dadurch für sich selbst ein Signal zu setzen: Ich bin bereit zu hören, für wen ich beten soll."

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