Den ausführlichen Rückblick auf den 2. Christlichen Gesundheitskongress

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Gott steht auch dem bei, der nicht geheilt wird

EKD-Ratsvorsitzende: Nicht leichtfertig über das Leiden anderer hinweggehen

Zu einem sensiblen Umgang mit Kranken und Trauernden hat die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), aufgerufen. Man dürfe nicht nach dem Motto „Komm, das wird schon wieder“ über das Leiden anderer hinweggehen, sagte sie auf dem Christlichen Gesundheitskongress. Leid führe an die Grenzen der Erklärungsmöglichkeiten, so Käßmann. Deshalb sei es oft angebracht, still zu werden und zu schweigen.

Gesundheit ist kein Beweis

Wie die Ratsvorsitzende weiter sagte, ist Gesundheit kein Beweis für Gottes Gegenwart und kein Grund, sich selbst zu rühmen. Gottvertrauen könne sich gerade darin zeigen, dass jemand mit seiner Krankheit leben und sterben könne. Gott stehe auch denen bei, die nicht geheilt werden. Christen glaubten an einen Gott, der selbst Leid, Schmerz und Ohnmacht erfahren habe. Gott sei sowohl allmächtig als auch ohnmächtig. Er habe sich aus Liebe zu den Menschen in seinem Sohn Jesus Christus verwundbar gemacht.

Afghanistan-Einsatz: Gebet & Kerzen sind nicht schlecht

Käßmann ging auch auf die Kritik an ihren Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein. In ihrer Neujahrspredigt hatte die Ratsvorsitzende mehr Fantasie bei der Suche nach friedlichen Lösungen gefordert. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhard Robbe (SPD), hatte daraufhin gesagt: „Niemand hindert Frau Käßmann daran, sich am Hindukusch mit den Taliban in ein Zelt zu setzen und über ihre Fantasien zu diskutieren, gemeinsam Rituale mit Gebeten und Kerzen zu entwi­ckeln.“ Dazu die Bischöfin: „Ich finde, Gebet und Kerzen sind nicht das Schlechteste. Sie haben immerhin vor 20 Jahren die Welt verändert.“

 

Die „Gesundheitsreligion“ ist die teuerste Religion

Psychiater Lütz: Es gibt inzwischen mehr Fitnessstudio-Besucher als katholische Kirchgänger

Die „Gesundheitsreligion“ ist die mächtigste und teuerste Weltreligion aller Zeiten. Diese Ansicht vertrat der Psychiater, Theologe und Bestsellerautor Manfred Lütz (Köln) auf dem 2. Christlichen Gesundheitskongress. Wie Lütz sagte, seien die übersteigerten Vorstellungen von Gesundheit für die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen verantwortlich. Inzwischen gebe es mehr Fitnessstudio-Besucher als katholische Kirchgänger. Das Heil werde heute nicht mehr vom Priester, sondern vom Arzt erwartet. Die Gesundheitsreligion habe auch die Kirchen erreicht. Selbst manche Pfarrer betrachteten Gesundheit als höchstes Gut. Lütz zufolge gilt eine Person heute nur noch dann als gesund, wenn sie nicht ausreichend untersucht worden ist.

Man ist gesund, wenn man mit Krankheit leben kann

Realistischer sei es, einen Menschen als gesund anzusehen, der mit seinen Krankheiten leben kann. Gesundheit sei zwar ein hohes, aber nicht das höchste Gut. Die Gesundheitsreligion enttäusche daher die Heilssehnsucht der Menschen. Der Umgang mit dem Tod sei nicht in erster Linie ein medizinisches, sondern ein religiöses Thema. Es komme darauf an, selig zu sterben. Wie der Vorsitzende der Organisation „Christen im Gesundheitswesen“ und Facharzt für innere Medizin, Georg Schiffner (Hamburg), sagte, müsse es das Ziel sein, eine „christliche Heilkunde“ zu etablieren. Christliche Ärzte sollten nicht nur Störungen im Körper, sondern auch die psychosoziale und geistliche Dimension einer Krankheit berücksichtigen. Ärzte sollten dafür in einem Team von Helfern und Begleitern des Kranken zusammenarbeiten. So könnten ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder zusätzlich zur ärztlichen Behandlung Seelsorge, Heilungsgebet und Krankensalbung anbieten.

Diakoniechef: Ein Gebet vor der Operation anbieten

Der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Klaus-Dieter Kottnik (Berlin), sagte, Diakonie verbinde Gesundheitsarbeit und die Verkündigung des Evangeliums. Dabei sollte Seelsorge nach Möglichkeit in die Therapie einbezogen werden. So könne man Patienten vor der Operation ein Gebet anbieten. Sinnvoll seien auch Gottesdienste, in denen Kranke gesegnet und gesalbt werden.

 

Quelle: idea - Nachrichtenmagazin,

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Zwischenruf

Ein Kongress mit Modellcharakter: Heilung lässt sich nicht erzwingen, aber …

Was bleibt, wenn der Kongress seine Teilnehmer wieder in die „freie Wildbahn des Gesundheitswesens“ entlässt, wie es der Vorsitzende der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, Martin Grabe (Oberursel), zum Abschluss des Treffens formulierte?

1. Zunächst einmal Ermutigung. Christen im Gesundheitswesen sind nicht die verschwindend kleine Schar, als die sie sich oft empfinden. Das ist in Kassel deutlich geworden. Auch wenn sich der von knappen Kassen und Arbeitsdruck gekennzeichnete Zustand des Gesundheitswesens in absehbarer Zeit nicht ändern wird, können Christen doch Zeichen setzen. Etwa indem sie sich die Freiheit nehmen für Gespräche mit Patienten – gerade weil sie wissen, dass der Mensch mehr ist als eine Maschine mit einem Defekt, den es zu beheben gilt. Mit schwerkranken Menschen über die Auferstehungshoffnung zu sprechen, kann auch ein Dienst an ihnen sein.

2. Ein Ziel der Veranstalter ist es, das Zusammenwirken von Gesundheitswesen und Gemeinden zu fördern. Damit hat der Gesundheitskongress Modellcharakter. Denn während weithin diffus von Spiritualität die Rede ist, wurden in Kassel konkrete Projekte vorgestellt – etwa die der Gewinner des Christlichen Gesundheitspreises. Wenn es gelingt, die Erkenntnisse von Schulmedizin und geistlicher Dimension im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes noch besser zusammenzubringen, wäre das nicht nur ein Gewinn für die Patienten. Auch das Pflegepersonal und Gemeindemitarbeiter würden davon profitieren, weil es sie entlastete.

3. Und schließlich war der Kongress für das unter Christen unterschiedlich ausgeprägte Verständnis von Heilung ein Gewinn. Manch ein Charismatiker wird verstanden haben, dass Heilung sich eben nicht in Spontangenesungen im Gottesdienst erschöpft, sondern vielfach ein lang andauernder Prozess ist. Und manch nüchterner Landeskirchler wird (neu) den Eindruck gehabt haben, dass Gott doch das scheinbar Unmögliche möglich ist – etwa als Schwester Stefanie aus Gnadenthal davon berichtete, wie ihr Speiseröhrenkrebs nach Gebeten geheilt wurde.

Wohlgemerkt: Auch wenn vielfach von christlicher Pflege die Rede war, kann es natürlich nicht darum gehen, erfolgsorientierte „Joint Ventures von Glaube und Gesundheit zu organisieren“, wie es der Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Wilhelm Richebächer, formulierte. Heilung lässt sich nicht erzwingen – auch nicht durch Gebete! Wohl aber kann der Glaube an einen Gott, der jeden Menschen schützend in seiner Hand hält und der selbst alle Schmerzen am Kreuz erlitten hat, den Horizont von Pflege weiten und Gelassenheit schenken.

 

Matthias Pankau

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Ist das Alter eine Krankheit?

So sah es der römische Dichter Terenz. Heute dürfen die meisten Menschen in den reichen Ländern damit rechnen, ohne allzu viele Einschränkungen sehr alt zu werden. Familie und Freunde, Reisen und Hobbys stehen in dieser dritten Lebensphase im Mittelpunkt. Auch unsere immer älter werdende Gesellschaft wird deshalb lebendig und vielfältig sein. Und dann? Irgendwann werden die geistigen und körperlichen Kräfte weniger - und die Beschwerden mehr. Gut, wenn man dann nicht allein ist, sondern  am Leben anderer teilhaben kann und von ihnen unterstützt wird. Um im hohen Alter nicht allein zu sein, muss man frühzeitig vorsorgen:

  • Suchen Sie echten Kontakt zu jüngeren Menschen, - es müssen nicht die eigenen Kinder sein!
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Kirchengemeinde Menschen im hohen Alter nicht vergisst, wenn sie nicht mehr zur Kirche kommen können!
  • Bringen Sie Ihre Vorstellungen von Gesundheit im Alter, Ihre Hoffnungen und Ängste, Ihre Ideen und Fragen mit zum 2. Christlichen Gesundheitskongress.

Der Kongress ist ein Treffpunkt für Christinnen und Christen aus allen Konfessionen, aus Gesundheitsberufen und Gemeinden. Herzliche Einladung nach Kassel!

Dr. Peter Bartmann

Ev. Theologe und Gesundheitsökonom, im Diakonischen Werk der EKD zuständig für Grundsatzfragen der gesundheitlichen Versorgung. Im Vorstand des Christlichen Gesundheitskongresses und verantwortet inhaltlich das Plenumsprogramm beim Kongress am Samstagvormittag.

 

"Die Kirche ist für das Seelenheil zuständig, aber doch nicht für die Gesundheit eines Menschen!"

Diese Aussage steht am Anfang meines Gespräches mit einem anerkannten Facharzt, der nur mit Befremden wahrnimmt, dass wir in unseren Gottesdiensten auch für Heilung von kranken Menschen beten. " Ich bin überzeugter Christ, und ich tue meinen Dienst als Mediziner, so gut ich es kann. Aber ich bete doch nicht um Heilung!" - "Warum eigentlich nicht?" will ich wissen. - Er zögert und ringt um eine Antwort. Ein Dialog beginnt, der bis heute nicht abgebrochen ist. Wir lernen viel voneinander.

Genau diesen Dialog wollen wir bei dem Christlichen Gesundheitskongress fördern. Es geht uns darum, dass Christen miteinander ins Gespräch kommen, die sich in den unterschiedlichen Diensten als Ärzte, Therapeuten, Seelsorger, im Bereich der Pflege und des Pflegemanagements, in den vielfachen Funktionen der Vorsorge oder auch der Gesundheitspolitik  hauptamtlich oder auch ehrenamtlich engagieren.  Unser gemeinsamer Glaube an den, den wir in unserer deutschen Sprache "Heiland" nennen, an Jesus Christus, verbindet uns, auch bei aller konfessionellen Unterschiedlichkeit. weiterlesen

Mit dem ersten Christlichen Gesundheitskongress 2008 hat ein Dialog begonnen, der vom 21.-23. Januar 2010 in Kassel seine Fortsetzung finden wird. Ich darf Sie im Namen des Vorstandes sehr herzlich einladen, mit dabei zu sein.

Ihr Heinrich Christian Rust

Christlicher Gesundheitspreis

 

Der Christliche Gesundheitskongress verleiht zum ersten Mal im Januar 2010 den „Christlichen Gesundheitspreis“, einen Anerkennungs- und Förderpreis zum Zusammenwirken von Gesundheitswesen und Gemeinden.

 

Gesucht werden Modelle des Zusammenarbeitens von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Gesundheitswesen und christlichen Gemeinden / Gemeinschaften, die sich in den letzten Jahren bewährt haben und an anderen Orten zur Umsetzung inspirieren können.

» Hier finden Sie nähere Informationen und die Bewerbungsunterlagen! Wir sind sehr gespannt auf Ihre mutmachenden Impulse!

Wenn ein ganzer Leitungskreis nach Kassel fährt

Stuttgarter Kirchengemeinde mit guten Erfahrungen wird auch 2010 dabei sein

Pastor Reiner de Vries blickt begeistert auf den 1. Gesundheitskongress zurück und empfiehlt, beim nächsten Kongress dabei zu sein:

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Werden Sie Teil einer Bewegung!


Kommen Sie zum 2. Christlichen Gesundheitskongress nach Kassel.

Vom 21. – 23. Januar 2010 werden wir mit profilierten Vertretern aus allen Sparten des Gesundheitswesens und vielen christlichen Kirchen über den Heilungsauftrag Jesu diskutieren. Wie kann ein christlich-ganzheitlicher Kranken- und Heilungsdienst aussehen? Welche Aufgaben kommen Gesundheitswesen und christlicher Gemeinde zu? Wie können Mitarbeiter ihren Glauben mit dem beruflichen Alltag in Verbindung bringen?

 

Eine Christliche Heilkunde braucht ein gutes Miteinander aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Darum ist uns auch die Dimension der Versöhnung zwischen den Berufsgruppen wichtig. Zahlreiche Partikularinteressen und historisch gewachsene Gräben trennen vielerorts Mitarbeiter aus Gesundheitswesen und auch aus Kirche – wenn nicht äußerlich, so doch im Herzen. Spannungsfelder zwischen Pflegenden und Ärzten, Hebammen und Gynäkologen, Heilpraktikern, Naturheilkundlern und Schulmedizinern, Ärzten und Psychologen und Theologen, Physiotherapeuten und Orthopäden. Nicht zuletzt wollen wir zu Überwindung der Trennung zwischen Gesundheitswesen und christlichen Gemeinden beitragen.

 

Was 2008 mit 1100 Teilnehmern begonnen hat, soll 2010 zu einer noch breiteren Bewegung werden, von der eine Erneuerung im Gesundheitswesen und der Kirche ausgehen kann.

 

Dr. med. Georg Schiffner, 1. Vorsitzender Christen im Gesundheitswesen, Aumühle und Vorstand des Christlichen Gesundheitskongresses 2010