Pressemeldung 7 / 22. März 2012

3. Christlicher Gesundheitskongress eröffnet

"Wir wollen ermutigen" 

(Kassel) „Christen, die im Gesundheitswesen aktiv sind und Christen, die ehrenamtlich in Kirchengemeinden begleiten wollen miteinander und voneinander lernen“, erklärte Dr. Georg Schiffner am Mittwoch zu Beginn des Christlichen Gesundheitskongresses im Kongresspalais Kassel. „Es geht uns vor allem um eine Ermutigung der Teilnehmer“, ergänzte die Pflegewissenschaftlerin Annette Meussling-Sentpali.

In einem schriftlichen Grußwort im Teilnehmermagazin hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr den Teilnehmern gedankt, dass durch eine berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit gute Rahmenbedingungen für das Gesundheitswesen, besonders für die Pflege schaffen. 

Der 3. Christliche Gesundheitskongress in Kassel führt vom 22. bis 24. März voraussichtlich 1200 Teilnehmer und Mitarbeiter in das Kongresspalais. Darunter sind etwa Viertel der Teilnehmer  Mediziner , ein Drittel kommen aus pflegerischen Berufen. Die übrigen sind haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterrinnen unterschiedlichster Profession.

Professor Dr. Klaus Dörner (Hamburg), einer der populärsten Psychiater eröffnete den Vormittag mit einem Vortrag  zu „Sehnsucht nach dem perfekten Menschen“.  Er zeigte, dass  die Vorstellung eines perfekten Menschen im Schwinden ist. „Wir haben davon geträumt, eine leidensfreie Gesellschaft zu schaffen“, doch der medizinische Fortschritt führt bei immer mehr Menschen zum Leben mit einer Demenzr oder als chronisch Kranker. Dabei könne unser Gesundheitssystem nicht mehr durch professionelle Helfer allein geleistet werden. „Es ist ein Wunder, dass immer mehr Menschen sich freiwillig für Pflegebedürftige einsetzen“, erklärte und verwies auf die wachsende Zahl von ehrenamtlichen Aktivitäte. Seit den 80er Jahren, so Dörner, wachse diese Form bürgerschaftlichen Engagement. Er regte an, dass zum Beispiel Arztpraxen mit Nachbarschaftsinitiativen zusammenarbeiten.

Die Berliner Pfarrerin Geertje-Froken Bolle berichtete in der vollbesetzten Stadthalle, wie Kirchengemeinden auf die Herausforderung durch die zunehmende Zahl Demenzkranker reagieren können, indem sie das Modell von Gottesdiensten  für Menschen mit Demenz in Berlin vorstellte. Sie plädierte dafür, demente Menschen in ihren Gottesdienste willkommen zu  heißen. „Eine Rampe zu bauen, ist oft leichter, als dementen Besuchern eine Teilnahme am Gottesdienst zu ermöglichen“.  Im Gottesdienst müssten sich Menschen zu Hause fühlen. Hier müsse die Nähe Gottes und der Menschen erfahrbar werden. „Jeder soll sich in seiner Unverwechselbarkeit wertgeschätzt werden.“ „Kennt auch dich und hat dich lieb“. Diese Zeile aus dem Abendlied Weist du wie viel Sternlein stehen, könne Menschen berühren, berichtete  die Pfarrerin.

Dr. Gisela Schneider vom Deutschen Institut für ärztliche Mission in Tübingen berichtet von einem Modellprojekt Bündnis gegen Depression. Das Tübinger Institut versucht, Erfahrungen aus Afrika und Asien für den deutschen Kontext zu nutzen. Dort gebe es auch in Situationen, die niederschmetternd sein können, eine große Widerstandskraft. Der Grund: Es gibt heilende Gemeinschaften, zum Beispiel in der Gemeinde. „Wir können der Pandemie Depression wirksam begegnen, von der allein in Deutschland 4 Millionen Menschen betroffen sind.“ Dabei werde Depression durch die Bedingungen der modernen Gesellschaft gefördert, die besonders durch Selbstbezogenheit geprägt sind. Sie warb darum, dass Kirchengemeinden zur Aufklärung beitragen, ein soziales Netz knüpfen und Orte der Gottesbegegnung gestalten.

Professor Dr. Bernd Raffelhüschen (Freiburg), Fachmann für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens appellierte an die Kirchen, die Herausforderungen des demographischen Wandels anzunehmen. Die starke Zunahme alter Menschen bei gleichzeitig abnehmende r Zahl der Erwerbstätigen führt zu einer stark veränderten Zusammensetzung,.  Die hervorragenden Voraussetzungen  für ein längeres Leben verstärken den Effekt. Dadurch entstünde ein finanzieller Engpass, der zu Verteilungskonflikten führen wird. „Von ¾ der Kongressteilnehmer ist anzunehmend, dass sie pflegebedürfti g werden. Die Kongressteilnehmer werden sich bis Samstag vor allem mit dem Auftrag der Kirchen beschäftigen, Kranke und behinderte Menschen zu begleiten,.

Dass das menschliche Leben begrenzt sei und daher Heilung immer nur einen Aspekt des Lebens darstellen kann, erklärte Dr. Eckhard Frick, Professor für Spiritualität an der Uni München. Er  hilft angehenden Ärzten die spirituellen Bedürfnisse ihrer Patienten in den Blick zu bekommen.  Er plädierte dafür neben dem heilenden Aspekt medizinischer Behandlung sollte auch der begleitende ausgebaut wird.

Frank Fornacon